Die Irish Open sind heutzutage eines der Turniere, über die man nicht nur wegen der Zahlen spricht, obwohl auch diese beeindruckend sind. Dieses legendäre Ereignis ist einzigartig in seiner Atmosphäre, seinem Pokerangebot und seinen Aktivitäten abseits der Tische, wie der Mitinhaber der Serie JP McCann in einem offenen Gespräch verrät. Von der Geschichte, die aus einem fast vergessenen Turnier ein globales Festival schuf, bis zu Entscheidungen, die viele als riskant betrachteten und warum viele Spieler, unabhängig von ihren Ergebnissen, immer wieder zurückkehren.
Die Irish Open sind längst nicht mehr nur Poker – es geht um ein Erlebnis, das am Tisch beginnt, aber dort keineswegs endet. Und genau deshalb verdient dieses Gespräch die Aufmerksamkeit der Pokergemeinschaft.
JP McCann: Der Weg von lokalen Spielen zur großen Vision
JP McCanns Geschichte beginnt nicht auf großen Bühnen, sondern in kleinen Pokerrunden, wo sich sein Verständnis für das gesamte Ökosystem formte. Schrittweise durchlief er Turnierserien in ganz Europa, arbeitete als Turnierdirektor und sammelte Erfahrungen, die er heute in eines der größten Events einfließen lässt. Dieser Weg gab ihm etwas, was man aus Büchern nicht lernen kann – das Verständnis für die Spieler, ihre Motivationen und Ziele.

Als er 2016 gemeinsam mit Paul O'Reilly die Irish Open übernahm, befand sich das Turnier auf einem historischen Tiefpunkt. Statt eines vorsichtigen Ansatzes folgte eine radikale Entscheidung – den Buy-in zu senken und das Event einem breiteren Publikum zu öffnen. Das Ziel war einfach, aber mutig: das beste erschwingliche Turnier der Welt zu schaffen. Das Ergebnis? Aus einem Event mit ein paar Hundert Spielern wurde ein Festival mit Tausenden Teilnehmern aus aller Welt.
Das Umfeld, in dem es heute agiert
Die Irish Open funktionieren heute als eine Mischung aus Turnier und Festival. In einer Halle treffen sich Profis, Hobbyspieler und absolute Neulinge, alle vereint durch das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Der Umzug in die ikonische RDS-Halle in Dublin ermöglichte dem Event zu wachsen und Tausende Spieler zu bewältigen, brachte jedoch auch neue Herausforderungen mit sich, die die Organisatoren in Echtzeit lösen mussten.
Der Schlüssel zu allem ist die Atmosphäre. Die Craic Den, die legendäre Spieler-Lounge, ist nicht nur ein Programmpunkt – es ist der Ort, wo sich das Event zum Erlebnis wandelt. Jeden Abend passiert hier etwas Neues, von Live-Musik bis zu spontanen Momenten, die den Spielern besser in Erinnerung bleiben als spezifische Hände. Keine Seltenheit, dass einige Besucher seit Jahren regelmäßig kommen, ohne eine Hand zu spielen – sie kommen einfach, um das Event zu erleben.

Wenn das Festival nicht am Tisch endet
Eine Sache, die McCann betont, ist einfach: Die Spieler kommen nicht, um 12 Tage am Stück Poker zu spielen. Sie kommen, um abzuschalten, Menschen zu treffen und etwas abseits des Spiels zu erleben. Deshalb baut die Irish Open bewusst ein Programm auf, das parallel zu den Turnieren funktioniert – von Entspannungszonen über Spiele bis hin zu Abendunterhaltung.
Die Craic Den hat ihren eigenen Rhythmus. Tagsüber ist es ruhiger, abends verwandelt sie sich zum Zentrum des Geschehens. Und genau dieser Kontrast schafft die Balance, die die Spieler brauchen. Es geht nicht nur um Spaß, sondern auch um eine Möglichkeit, während des langen Festivals Energie zu bewahren. Deshalb öffnet sich die Irish Open zunehmend für eine breitere Community – von Frauenevents bis zu Turnieren für gehörlose Spieler, basierend auf den realen Erfahrungen der Teilnehmer.
McCann bringt es direkt auf den Punkt: „Wir arbeiten in der Unterhaltungsbranche. Es sollte Spaß machen.“ Diese Sichtweise zeigt, dass der Erfolg eines Pokerevents nicht nur von der Organisation abhängt, sondern auch davon, welches Gefühl die Spieler mitnehmen. „Die Menschen reisen aus der ganzen Welt an, geben ihr eigenes Geld aus und wählen unser Event. Es ist unsere Pflicht, ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten.“
Die Irish Open stehen heute am Scheideweg zwischen Tradition und einem neuen Ansatz im Poker. Sie wachsen, fügen neue Formate hinzu, öffnen sich für neue Gemeinschaften, bleiben dabei aber einer Sache treu, die sich nicht einfach planen oder mit Geld kaufen lässt – der Atmosphäre. Die Ambitionen für die Zukunft sind groß, aber auch aus diesem Gespräch wird klar, dass Zahlen nicht alles sind.
Quellen – YouTube/@shinnypoker, X, Flickr/PSlive (Photo Credits Danny Maxwell)