Die Geschichte der WSOP: 1983 – Satellite-Revolution und Triumph des „Buchhalters“ Tom McEvoy

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Die Satellite-Sensation: Vom Einfall zum historischen Sieg

Das heutige bekannte Satellitekonzept wurde ein Jahr zuvor von Turnierleiter Eric Drache eingeführt. 1982 bemerkte er eine Gruppe von Cash-Game-Spielern und schlug ihnen vor, statt eines normalen Spiels ein Mini-Turnier um ein 10.000$ Main Event Sitz zu spielen.

Bereits 1983 nutzte Tom McEvoy, ein ehemaliger Buchhalter aus Michigan, das System voll aus. Er begann 1978, nach dem Verlust seines Jobs, Vollzeit Poker zu spielen. McEvoy wurde der erste Spieler in der Geschichte, der das Main Event gewann, nachdem er sich durch ein Satellite qualifiziert hatte. Dieser Erfolg ebnete den Weg für zukünftige Generationen von Spielern, darunter auch vom berühmten Chris Moneymaker zwanzig Jahre später.

Omaha betritt die Bühne

Einer der bedeutendsten Meilensteine im Jahr 1983 war das offizielle Debüt von Omaha bei der WSOP. Diese Variante wurde von Robert Turner nach Las Vegas gebracht, der Bill Boyd, dem Manager des Golden Nugget, von dem Spiel erzählte. Boyd machte es als „Nugget Hold'em“ populär, bis Benny Binion es in das Programm aufnahm, um Spieler aus Europa, besonders aus Irland, anzulocken.

Der historische erste Omaha-Titel ging an den legendären Theoretiker David Sklansky, für den es das dritte und letzte Bracelet in seiner Karriere war. Interessanterweise ist Sklansky der einzige Spieler in der Geschichte, der mehr goldene Uhren (von einem Experiment 1982) als Bracelets gewann.

Die Dominanz von Stu Ungar und die Millionengrenze

Die Genialität von Stu Ungar spürten 1983 vor allem die Seven-Card-Stud-Spieler. Ungar wurde zunächst Zweiter in der günstigeren Variante (1.000$ Buy-in) hinter Ken Flaton, fand jedoch beim prestigeträchtigen 5.000$ Seven-Card Stud-Event keinen Gegner.

Mit diesem Sieg gewann er sein viertes goldenes Bracelet und 110.000$, wodurch er nach Doyle Brunson der zweite Spieler in der Geschichte wurde, dessen Gesamtgewinne bei der WSOP eine Million Dollar überschritten. Ungars Fähigkeit, sich alle offenen Karten zu merken, machte das Spiel gegen ihn in dieser Variante zu einem unlösbaren mathematischen Rätsel.

Einzigartiges Ehepaar und internationale Rekorde

1983 fiel auch ein romantischer Rekord. Im Mixed Doubles-Turnier gewannen Jim und Donna Doman, womit sie als erstes Ehepaar in die Geschichte eingingen, in dem beide ein goldenes Bracelet besaß.

Gleichzeitig begann die internationale Szene sich stärker durchzusetzen. Der Ire Donnacha O'Dea wurde der erste Ausländer, der es in ein WSOP-Heads-up schaffte (im 1.000$ Limit Hold'em-Turnier, wo er gegen McEvoy verlor). O'Dea wurde außerdem der erste Ausländer, der im Main Event in den bezahlten Platzierungen landete. Er schaffte es sogar an den Final Table und wurde insgesamt Sechster.

Weitere Highlights aus 1983:

  • Bei der WSOP 1983 fand das erste Turnier für Casino-Angestellte statt. Den Titel gewann Ted Binion, der Sohn des Casinos-Besitzers.

  • Zukünftige Legende Johnny Chan (Main Event Gewinner 1987 und 1988) erreichte 1983 seine erste ITM-Platzierung bei der WSOP, als er Vierter im 2.500$ Match Play Event wurde.

  • Rekord-Beteiligung: Das 1.000$ No-Limit Hold'em Turnier (Event #7) setzte mit 248 Entries einen neuen Serienrekord.

Turnier

Entries

Sieger

Siegprämie

Event #1: 2.500$ No-Limit A-5 Lowball Draw w/ Joker

37

David Angel

46.250$

Event #2: 1.500$ No-Limit Hold'em

194

David Baxter

145.500$

Event #3: 1.000$ Limit Seven-Card Stud Hi-Lo

104

Artie Cobb

52.000$

Event #4: 800$ Mixed Doubles (7-Card Stud)

50

Jim Doman

Donna Doman

jeweils 10.000$

Event #5: 1.000$ Limit Seven-Card Stud

124

Ken Flaton

62.000$

Event #6: 500$ Ladies' Seven-Card Stud

64

Carolyn Gardner

16.000$

Event #7: 1.000$ No-Limit Hold'em

248

Buster Jackson

124.000$

Event #8: 2.500$ Heads-up (Match Play)

32

Berry Johnston

40.000$

Event #9: 1.000$ Limit Seven-Card Razz

86

John Lukas

43.000$

Event #10: 1.000$ Limit Hold'em

234

Tom McEvoy

117.000$

Event #11: 1.000$ Limit Omaha

51

David Sklansky

25.500$

Event #12: 1.000$ Limit A-5 Lowball Draw

99

Don Todd

49.500$

Event #13: 5.000$ Limit Seven-Card Stud

44

Stu Ungar

110.000$

Event #14: 10.000$ Main Event (NLH)

108

Tom McEvoy

540.000$

Event #15: 1.000$ Casino Employees NLH

10

Ted Binion

10.000$

Event #16: 10.000$ No-Limit 2-7 Draw Lowball

21

Dick Carson

105.000$

Das längste Heads-up der Geschichte

Zum Main-Event mit einem Buy-in von 10.000$ meldeten sich rekordverdächtige 108 Spieler an, was einen Preisgeldpool von über einer Million Dollar schuf. Die hohe Beteiligung war maßgeblich den Amateuren zu verdanken, die erstmals in der Geschichte des Main Events die Profis übertrafen.

Am Finaltisch saßen bekannte Namen wie Doyle Brunson, der seinen dritten Titel anstrebte, und der erste erfolgreiche Europäer Donnacha O'Dea aus Irland. Brunson musste sich letztlich mit dem dritten Platz zufriedengeben und ahnte nicht, dass es das letzte Mal sein würde, dass „Texas Dolly“ den Final Table des Main Events erreichte.

Das finale Duell zwischen Tom McEvoy und Rod Peate ging als Marathon der Geduld in die Geschichte ein. Das Heads-up dauerte rekordverdächtige siebeneinhalb Stunden (dieser Rekord wurde erst 2006 gebrochen). Obwohl Peate das Duell mit einem Vorsprung begann und zeitweise viermal mehr Chips hatte als sein Gegner, drehte McEvoy das Blatt durch präzises Spiel und aggressive All-ins im richtigen Moment.

In der letzten Hand des Turniers erhöhte Rod Peate mit K d J d, worauf McEvoy mit einem All-in mit Q d Q s antwortete. Peate callte, doch das  Board 3 d 6 h 6 c J h 3 c brachte den Sieg für McEvoy. In diesem Moment sprang Tom McEvoy auf seinen Stuhl und begann, seinen wohlverdienten Sieg zu feiern.

Das Jahr 1983 zeigte, dass Poker nicht nur für eine Handvoll auserwählter Profis gedacht ist. Dank McEvoy erkannte die Welt, dass auch ein ehemaliger Buchhalter mit einem Satellite-Ticket zur unsterblichen Legende der Pokerwelt werden kann.

 

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Quellen: WSOP, Wikipedia, YouTube, PokerListings