Garrett Adelstein in Ask Me Anything: Die J4-Affäre, verlorene Millionen, Vaterschaft und das Leben jenseits der Pokertische

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Garrett Adelstein war jahrelang eine der größten Stars der TV-Cash-Games. Am Tisch erarbeitete er sich den Ruf eines überaus aggressiven, überlegten und furchtlosen Spielers, der in den größten Spielen in Los Angeles triumphierte.

Doch dann kam eine Hand, die seine Karriere in eine neue Richtung lenkte.

Der kontroverse Showdown mit Robbi Jade Lew und die J4-Kombination wurden zu einem der meistdiskutierten Momente der modernen Pokerhistorie. Adelstein äußerte öffentlich den Verdacht, dass die Hand nicht regelkonform ablief, hat dann von Lew 135.000$ zurückgenommen und verschwand daraufhin nahezu komplett aus den regelmäßigen gestreamten Cash-Games.

Fast vier Jahre nach dem Vorfall kehrte er über ein Ask Me Anything auf Reddit in die Pokergemeinschaft zurück. Die ausgiebige Diskussion führte zu über 200 Beiträgen und einer Menge scharfer Fragen. Adelstein wich auch unangenehmen Themen nicht aus, obwohl er die vollständige J4-Erklärung für ein geplantes Buch und ein separates Video aufbewahrt. Das gesamte AMA findest du hier auf Reddit.

Warum hat sich die Community nach der J4-Affäre gegen ihn gewandt?

Eine der direktesten Fragen drehte sich darum, warum ein großer Teil der Pokeröffentlichkeit gerade Adelstein kritisierte, obwohl er weiterhin glaubt, dass die Umstände der Hand auf Betrug hindeuten. Garrett hat drei Hauptgründe genannt.

Der erste ist ein Mangel an Informationen. Laut Adelstein kennt die Öffentlichkeit nur einen Bruchteil dessen, was in Zusammenhang mit dem Vorfall passiert ist. Viele Menschen haben sich ihrer Meinung nach eine endgültige Meinung auf Basis weniger Videos oder einer kurzen Internetsuche gebildet, obwohl die vollständige Geschichte wesentlich umfassender ist.

Der zweite Grund waren seine eigenen Fehler. Adelstein gab zu, dass er nach dem Vorfall mehrere falsche Entscheidungen getroffen hatte. Er versuchte nicht, sich als jemand darzustellen, der in der Lage war, die gesamte Situation perfekt zu meistern. Im Gegenteil, er räumte ein, dass sein Kommunikationsstil und einige der nachfolgenden Schritte dazu beigetragen haben, wie er von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Als dritten Faktor nannte er die Kommunikation der anderen Partei. Laut ihm fand eine einfache Geschichte Anklang, in der ein wohlhabender Profi einem Freizeitspieler das Geld abnahm, weil er einen großen Pot verlor. Diese Version der Ereignisse war leicht verständlich und für einen Teil der Öffentlichkeit überzeugend.

Auch wenn er gewonnen hätte, wäre die Reaktion dieselbe gewesen

Eine interessante Frage zielte auf ein alternatives Szenario ab: Was hätte Garrett getan, wenn er die umstrittene J4-Hand gewonnen hätte? Seine Antwort war eindeutig. Er behauptete, seine Reaktion wäre unabhängig vom Ausgang der beiden Runouts dieselbe gewesen. Laut Adelstein ging es also nicht um Frustration über einen verlorenen Pot, sondern um die Umstände, die bei ihm während des Spiels und unmittelbar danach Verdacht erregten.

Er gab jedoch zu, dass die Hand, falls er sie gewonnen hätte, wahrscheinlich nicht so viel Aufmerksamkeit erregt hätte. Es hätte keinen internationalen Pokerskandal, keine umfassenden Ermittlungen und keine jahrelange Diskussion gegeben. Vielleicht gäbe es auch sein geplantes Buch nicht. Diese eine Hand hat seiner Meinung nach also nicht nur Kontroversen ausgelöst. Sie veränderte sein professionelles und persönliches Leben grundlegend.

Der Ausstieg aus Hustler Casino Live könnte ihn Millionen gekostet haben

Adelstein hörte nach dem Vorfall auf, regelmäßig bei Hustler Casino Live zu spielen, obwohl er dort zu den größten Stars und erfolgreichsten Spielern zählte. Auf die Frage, wie viel Geld er durch diese Entscheidung wahrscheinlich auf dem Tisch gelassen hat, antwortete er überraschend konkret: etwa 1 bis 3 Millionen Dollar jährlich. Es handelt sich nicht um einen bestätigten Verlust, sondern um seine Schätzung des entgangenen Gewinns aus Spielen, die er unter normalen Umständen weitergespielt hätte.

Garrett wirkte jedoch nicht so, als hätte er diese Entscheidung lediglich wegen des Geldes bereut. Das Weiterspielen in lukrativen Spielen hätte für ihn bedeutet, in einem Umfeld zu bleiben, in dem er nach dem Vorfall das Vertrauen verloren hatte. Stattdessen entschied er sich für seine eigene Überzeugung, obwohl er dafür einen enormen finanziellen Preis zahlen musste.

Angespannte Beziehung zu Ryan Feldman

Die Diskussion berührte auch Ryan Feldman, eine der Schlüsselfiguren zuerst bei Live at the Bike und später bei Hustler Casino Live. Adelstein gestand, dass er Feldmans Fähigkeit, attraktive Cashgames zusammenzustellen, für außergewöhnlich hält. Gerade diese Spiele halfen Garrett erheblich, sich zwischen 2017 und 2022 einen Namen und eine Fangemeinde aufzubauen.

„Wir haben viel füreinander getan“, fasste Adelstein ihre frühere Partnerschaft zusammen. Gleichzeitig fügte er hinzu, dass er kein Fan von Feldman mehr ist. Er hatte ihn einst als engen Freund betrachtet, aber ihr Verhältnis hat sich nach den Ereignissen rund um J4 grundlegend verändert. Details hat er wieder nicht vollständig offengelegt, aber seine Antwort deutete an, dass der Skandal nicht nur seinen regelmäßigen Platz im Spiel zerstört hat, sondern auch mehrere persönliche Beziehungen.

Wäre J4 nicht passiert, würde er wahrscheinlich immer noch grinden

Adelstein wurde auch die hypothetische Frage gestellt, was er heute tun würde, wenn die umstrittene Hand nie passiert wäre. Zunächst meinte er, er könnte sich der persönlichen Entwicklung oder einer anderen Arbeit widmen, die ihm innere Erfüllung bringen würde. Doch sofort räumte er ein, dass er sich das vielleicht nur einredet.

Wettbewerbsgeist, Geld und ständige Anerkennung der Fans wären seiner Meinung nach schwer zu verlassen. Ohne das Erschütternde, das nach J4 kam, hätte er wahrscheinlich nicht genug Motivation gehabt, die Welt der regelmäßigen High-Stakes-Cash-Games hinter sich zu lassen.

Ein vollständiges Comeback zum professionellen Poker ist nicht geplant

Die Fans interessierte natürlich, ob der einstige Star der gestreamten Spiele plant, zum regelmäßigen Spielen zurückzukehren. Die Antwort war hierbei wenig optimistisch. Adelstein sieht nicht, dass er jemals wieder Poker in Vollzeit spielen wird. Er schließt jedoch einige High-Stakes-Auftritte pro Jahr nicht aus.

Poker fasziniert ihn also weiterhin. Besonders in kleineren Dosen bleibt der Wettbewerb und das Adrenalin der größten Spiele bestehen. Er will jedoch nicht mehr, dass der tägliche Grind sein ganzes Leben bestimmt. Seit der J4-Affäre habe er nach eigenen Worten praktisch nicht mehr gespielt, abgesehen von seltenen gestreamten Auftritten. Seine Zeit füllten das Schreiben eines Buches, die Erstellung eines mehr als 35-stündigen Kurses für Upswing Poker, die Vorbereitung eines Dokumentarprojekts und vor allem Familie.

Vaterschaft hat die Prioritäten verändert, nicht seine Natur

Garrett zieht heute zwei kleine Kinder im Alter von etwa drei und einem Jahr groß. Die Frage, ob die Vaterschaft seine Sicht auf Poker verändert hat, brachte daher eine der persönlichsten Antworten des AMA. Adelstein erklärte, dass die Geburt seiner Tochter nur wenige Monate nach der J4-Affäre erfolgte. Es fällt ihm daher schwer, zu trennen, welche Veränderungen der Skandal und welche die Elternschaft bewirkten. In kurzer Zeit änderte sich nämlich sein persönliches und berufliches Leben komplett.

Gleichzeitig betonte er, dass Kinder nicht die grundlegende Einstellung eines Menschen ändern. Er sieht sich selbst immer noch als überaus ehrgeizig und wettbewerbsorientiert. Die Energie, die er einst regelmäßig in Poker investierte, wurde einfach auf das Buch, den Trainingskurs, das Dokumentarprojekt oder den Langstreckenlauf umgeleitet. Vaterschaft hat also seinen Wettbewerbsdrang nicht zerstört. Sie hat jedoch die Reihenfolge seiner Prioritäten verändert.

Regelmäßig die Fürsorge für die Familie mit der psychisch belastenden Welt des High-Stakes-Pokers zu verbinden, sieht er heute nicht als Leben, das er führen möchte. Doch wenn er wieder am Tisch sitzt, will er genauso stark gewinnen wie früher.

Der schwierigste Gegner? Andrew Robl

Auch reine Pokerfragen kamen zur Sprache. Als Adelstein einen Spieler benennen sollte, der mit einem äußerst herausfordernden Stil spielt, hob er Andrew Robl hervor. Laut Garrett ist Robl besser als jeder andere, gegen den er gespielt hat, darin, theoretische Grundlagen, exploitive Entscheidungen und den Druck typischer sehr deepstacked Cashgames zu kombinieren.

Die vollständige Liste seiner fünf härtesten Gegner wollte er nicht sofort preisgeben. Gemeinsam mit Doug Polk hat er ein detaillierteres Video zu diesem Thema vorbereitet. Adelstein erinnerte zudem daran, dass sein Weg an die Spitze nicht von Heute auf Morgen passierte. In seinen Anfängen hatte er eigenen Angaben zufolge im Online-Poker zu kämpfen. Es dauerte etwa zwei bis drei Jahre, bis er sich zwischen seinem 18. und 21. Lebensjahr durch die Limits arbeitete.

Garrett Adelstein zeigt eine andere Seite

Adelsteins AMA hat keinen endgültigen Schlusspunkt hinter die J4-Affäre gesetzt. Wer ein neues Beweismittel oder eine vollständige Rekonstruktion des Vorfalls erwartete, wurde enttäuscht. Garrett behält die wichtigsten Details für sein Buch Beneath the Cards und das geplante Video. Die Diskussion zeigt jedoch einen Spieler, der heute viel offener über seine Entscheidungen spricht.

Er gestand Kommunikationsfehler ein, benannte den finanziellen Preis seines Ausstiegs und räumte offen ein, dass ihn beim Poker nicht nur die reine Liebe zum Spiel hielt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass selbst der Verlust von geschätzten 1 bis 3 Millionen Dollar jährlich nicht Grund genug war, in ein Umfeld zurückzukehren, dem er nicht mehr vertraute.

Und obwohl er wahrscheinlich nicht mehr regelmäßig in den größten gestreamten Spielen zu sehen sein wird, kann er nicht ganz ohne Poker sein. Mehrmals im Jahr möchte er noch zurückkehren, sich mit den Besten messen und daran erinnern, warum er so lange zu den gefürchtetsten Cash-Game-Spielern der Welt gehörte.

 

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Quellen – Reddit AMA, PokerNews, X, CardPlayer, PokerGO