Pokernanfänge fernab von Vegas
Jeremy wuchs im Südosten Colorados auf, in einer Gegend, die vom Glanz von Las Vegas weit entfernt ist. Keine Casinos, keine großen Spiele, nur kleine Städte, Farmen und endlose Straßen. Die ersten Kontakte mit Spielen machte er früh – Poker lehrte ihn sein Vater, Schach sein Großvater. Schon damals zeigte sich seine Kombination aus Wettkampfgeist und Geduld, die ihn später bekannt machte.
Während der High School und später an der Universität war Poker vor allem ein Gesellschaftsspiel für ihn. Hauspokerrunden, günstige Chips, ein Mix aus verschiedenen Varianten und minimale Einsätze. Online Poker entstand gerade erst und eine Profikarriere war mehr ein Traum als ein konkreter Plan.
An der Universität von Colorado begann Jeremy mit Informatik, wechselte später zu Wirtschaft. Nicht weil er damals schon die vollständige Zukunft im Poker sah, sondern weil er einen realen Abschluss und die Möglichkeit wollte, zu einem „normalen Job“ zurückzukehren, falls Poker nicht funktionieren würde.
Neben dem Studium arbeitete er handwerklich, zog Kabel, baute Möbel und baute nebenbei seine erste Bankroll vor allem in Live-Spielen auf. Online Poker reizte ihn anfangs nicht und brachte ihm auch keine Ergebnisse. Die Wende kam erst mit dem Umzug nach Las Vegas, wo sich sein spielerischer und mentaler Ansatz zu ändern begann.
Langsamer Start in Vegas
Nach Las Vegas kam er ohne großes Kapital und ohne Illusionen. Er spielte niedrige Einsätze und bewegte sich monatelang kaum vorwärts. Er gesteht selbst, dass es im ersten halbe Jahr mehr ums Überleben als um Gewinne ging.
Die Veränderung kam mit dem Online Poker. Nach der Registrierung bei Doyle's Room und der Nutzung von Boni fand er Spiele, bei denen er einen echten Vorteil hatte. Im Dezember eines Jahres erreichte er den ersten großen Durchbruch – einen Gewinn von rund 10.000$, was damals eine entscheidende psychologische und finanzielle Unterstützung bedeutete.

Ausmus setzte sich nach und nach in den Online Cash Games durch, wo er Disziplin, positionsbezogenes Denken und die Fähigkeit, wenige Fehler zu machen, nutzen konnte. Anstatt Prestige hinterherzujagen, wählte er Spiele, die langfristigen Profit versprachen. Dieser Ansatz begleitet ihn bis heute – spielen, wo ein Edge existiert, nicht wo das Feld voller Stars ist und alles vom Ego abhängt.
Black Friday und Rückkehr zum Live-Poker
Der Black Friday bedeutete für Ausmus das Einfrieren eines großen Teils seiner Bankroll bei Full Tilt. Obwohl er am Ende kein Geld verlor, dauerte die Wartezeit Jahre. Er entschied sich daher, zurück zu den Live-Spielen zu wechseln, vor allem im Bellagio, wo eine Generation starker Cash Game Spieler entstand.
Genau diese Zeit legte die Grundlage für seinen späteren Turniererfolg. Das Spielen von Deepstack Cash Games, ohne den Druck durch Blinds, lehrte ihn Geduld, den Umgang mit großen Pots und mentale Stabilität.
Der größte Durchbruch kam mit dem Deep Run im WSOP Main Event 2012, den Ausmus bis an den Final Table brachte. Der Gewinn von über zwei Millionen Dollar für den 5. Platz bedeutete nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch Anerkennung in den Augen der Pokeröffentlichkeit. Er selbst gesteht, dass ihn bis dahin viele nur als „den Typen aus Vegas, der behauptet Profi zu sein“ sahen. Nach dem Main Event zweifelte niemand mehr daran.

Suche nach neuen Herausforderungen
Trotz des enormen Erfolgs wurde Ausmus nicht sofort zu einem reinen Turnierspieler. Viele Jahre kombinierte er Cash Games, Online-Spiele und Turniere. Nach und nach zogen ihn jedoch immer mehr gemischte Varianten und PLO an, wo er Raum für neues Lernen und langfristige Vorteile sah. Auch hier erzielte er beachtliche Erfolge – darunter einen ikonischen Final Table im PLO-Turnier bei der WSOP gegen Namen wie Phil Hellmuth und Daniel Negreanu.
Den Sieg bei der Triton-Serie betrachtet Ausmus als persönlichen Meilenstein, jedoch nicht als Beweis der Überlegenheit. In Interviews betont er immer wieder, dass er nie das Bedürfnis hatte, um die Welt zu reisen, nur um die höchsten Buy-ins gegen die Besten zu spielen. Wenn es qualitativ hochwertiges Poker zu Hause gibt, zieht er dieses vor. Die Balance zwischen Spiel, Familie und mentaler Gesundheit hat für ihn einen höheren Wert als das streben nach einem Status.
Vlog, Musik und ein neues Kapitel
Das neueste Kapitel in Ausmus' Reise ist die Content-Erstellung. Er startete einen eigenen Vlog, in dem er die Hintergründe des Turnierpokers zeigt, die Atmosphäre in Studios und die realen Interaktionen zwischen Top-Spielern. Ohne Poserei, ohne übertriebene Dramatisierung. Nebenbei widmet er sich auch der Musik, dem Schreiben von Texten und kreativen Projekten außerhalb des Pokers. Gerade diese Vielfalt hilft ihm, Abstand zu halten, den Überblick zu bewahren und langfristig motiviert zu bleiben.
Jeremy tritt heute als Spieler auf, der nichts mehr zu beweisen hat. Anstatt blind weiteren Titel nachzujagen, wählte er den Weg der Stabilität, Neugier und des ständigen Lernens. Und genau deshalb bleibt er relevant, auch in Zeiten der Solver, High Roller und massiven Konkurrenz.
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Quellen – YouTube, TritonPoker, WSOP, PokerNews