Joe „Stapes“ Stapleton ist für viele Fans das Synonym für Pokerkommentare, Humor und Live-Übertragungen von den größten Events. Doch im Gespräch mit Olivia geht es nicht um einen klassischen Karriere-Rückblick oder die großen Momente der Turniere. Die erste Episode des Unhinged-Podcasts konzentriert sich auf lockere Gespräche, in denen Poker mit Stand-up, Reisen, Hollywood und sehr offenen Geständnissen über Angst gemischt wird. Stapleton zeigt, dass auch jemand, der jahrelang das Publikum unterhält, innerlich in ständiger Anspannung leben kann. Gerade dieser Kontrast macht das Interview so interessant.
Stapleton wirkt zu Beginn genau so, wie es die Fans von ihm kennen – schnell, ironisch und bereit, jede Situation in einen Witz zu verwandeln. Doch nach und nach wird der Austausch viel tiefer. Er sagt, dass er außerhalb von Poker und Comedy laut eigenen Worten ein „großer Gutmensch“ ist, der einfache Dinge, Videospiele, Filme, Essen, Spaß und Menschen liebt. Gleichzeitig gibt er zu, dass ihm sehr wichtig ist, was andere von ihm denken, auch wenn viele das Gegenteil behaupten.
Angst als Teil des Lebens
Eines der stärksten Themen der ganzen Episode ist Stapletons Angst. Er gesteht, dass er äußerlich gelassen erscheinen mag, aber innerlich mit sehr hoher Anspannung arbeitet. Er sagt, dass gerade diese Hyperaufmerksamkeit ihm hilft, den Raum, die Menschen und die Situationen um sich herum zu lesen. Er kann Konflikte am Nachbartisch, Spannungen zwischen Menschen oder kleine Details, die anderen entgehen, bemerken. Gleichzeitig gibt er zu, dass es schwer ist, ständig so präsent und wachsam zu sein.
Dieser Teil des Gesprächs führt natürlich zum Thema Stand-up. Stapleton erzählt, dass er zum ersten Mal dank Bobby Lee auf die Bühne kam, der ihn praktisch zu einen Auftritt im Comedy Store drängte. Statt eines großen Triumphs erlebte er einen Schock – auf der Bühne fühlte er sich, als wäre er „abgeschaltet“ und kehrte erst nach etwa sieben Jahren auf die Bühne zurück. Später fand er mehr Sicherheit in London, wo ihm das Umfeld und die Tatsache, dass er bereits auf Channel 4 auftrat, mehr Selbstbewusstsein gaben. Auch nach Jahren gesteht er jedoch, dass das Lampenfieber vor Auftritten nicht ganz verschwunden ist.

Der Moment, der seinen Blick auf die Karriere veränderte
Wenn das Interview einen klaren Karrierehöhepunkt hat, dann ist es die Erinnerung an Norm Macdonald. Stapleton sagt, er habe im Poker viele große Momente erlebt, die Welt bereist und an Events gearbeitet, die allein für eine starke Geschichte ausreichen würden. Wenn es jedoch um Stand-up geht, ist seine größte Wegmarke die Zusammenarbeit mit Macdonald. Die Tour mit einem der angesehensten Komiker bezeichnet er als einen Moment, der ihm Sicherheit weiterhin gibt, auch falls er beim Comedy nie wieder etwas Größeres erreichen sollte.
„Er hat mich ausgewählt,“ sagt Stapleton im Interview einfach, aber mit großem Gewicht. Für ihn bedeutet das, dass jemand, den er für einen der lustigsten Menschen überhaupt hält, ihm so sehr vertraute, dass er ihn als Support Act mitnahm. Er erinnert sich an gemeinsames Reisen, Witze schreiben und Stunden abseits der Bühne. Es ist nicht nur eine Geschichte für den Effekt, sondern ein Moment, der erklärt, warum Stand-up für Stapleton nicht nur eine Nebenbeschäftigung neben Poker ist. Es ist eine andere Welt, in der er sich den Respekt auf ganz andere Weise verdienen musste.
Poker, die Grenzen des Humors und die Verantwortung des Kommentators
Das Interview berührt auch, wie herausfordernd es ist, in der Live-Pokerübertragung witzig zu sein. Stapleton gibt zu, dass Humor beim Kommentieren eine Gratwanderung ist. Einerseits sollte es unterhaltsam und schlagfertig sein, andererseits muss er darauf achten, dass der Witz nicht unnötig persönlich oder grausam wird. Er erinnert sich an Situationen, bei denen sich Spieler nach einer Übertragung meldeten, weil sie eine Bemerkung störte. In einigen Fällen gab er zu, dass er zu weit gegangen war.
Interessant ist auch seine bis heute gültige Regel beim Kommentieren. Stapleton sagt, wenn er sich über jemanden lustig macht, dann dabei nur auf Dinge zielt, die durch die Wahl der Person bestimmt sind – Kleidung, Frisur, Accessoires oder etwas, was gesagt wurde. Er will nicht auf körperliche Merkmale oder Dinge abzielen, die man nicht ändern kann. Er gesteht auch offen, dass er einige Kommentare über Spielerinnen heute anders formulieren würde. Gerade diese Selbstreflexion macht das Interview zu mehr als nur einer unterhaltsamen Erzählung.

Hollywood, Reisen und ein Leben, das er sich nicht vorstellen konnte
Stapleton erzählt in der Episode auch verschiedene Geschichten aus der Welt abseits des Pokers. Er erinnert sich an die ersten Hollywood-Partys, seltsame Situationen in Las Vegas und Pokerpartien bei bekannten Persönlichkeiten. Es geht jedoch nicht nur um das Namedropping bekannter Namen. Vielmehr zeigt er, wie weit ihn die Arbeit in Poker und der Unterhaltung von dem Leben entfernt hat, das er als Jüngerer kannte. Einmal sagt er, wenn man seinem fünfzehnjährigen Ich erzählt hätte, wie sein Leben in ein paar Jahrzehnten aussehen würde, wäre er damals vielleicht weniger unglücklich gewesen.
Doch er gesteht auch die Müdigkeit vom ständigen Reisen. Poker hat ihm die Welt geöffnet und seine Sicht auf andere Länder und Kulturen verändert, aber nach Jahren in Flugzeugen und Hotels spürt er, dass er sich länger an einem Ort aufhalten könnte. Er sagt, dass die längste Zeit ohne Flug in den letzten etwa 15 Jahren nur wenige Wochen war. Daher hat das Interview eine besondere bilanzierende Atmosphäre. Stapleton wirkt immer noch wie jemand in Bewegung, aber nicht mehr wie jemand, der um jeden Preis in Bewegung sein will.
Was kommt als Nächstes?
Am Ende des Interviews spricht Stapleton über die EPT Monte Carlo, High Roller Turniere, High Stakes Cash Game und mögliche Stand-up-Auftritte während des Sommers in Las Vegas. Er spricht nicht von einem großen Endplan oder einem dramatischen Karriere-Neustart. Vielmehr deutet er an, dass er gerne Raum für Dinge finden würde, die er wegen des Pokerreisens nicht vollständig entwickeln konnte. Er erwähnt Schauspielerei, Fernsehen und Comedy-Projekte, doch gleichzeitig gesteht er offen ein, dass Schauspielerei ein eigenes Handwerk ist, das er nicht unterschätzen will.
Die gesamte Episode Unhinged funktioniert somit als Blick auf eine Zeit voller Veränderungen. Es ist nicht nur ein Interview mit einem Kommentator, der jahrelang Pokerfans unterhielt. Es ist auch die Geschichte eines Mannes, der lernte, mit Angst zu leben, einen harten Start im Stand-up erlebte, Respekt bei Norm Macdonald fand und durch Poker in eine Welt eintauchte, die ihm den Horizont öffnete. Die größte Stärke des Interviews liegt darin, dass Stapleton nichts vortäuschen muss. Es reicht, dass er erzählt – und der Zuhörer versteht schnell, warum seine Stimme im Poker eine so deutliche Spur hinterlassen hat.
Quellen - YouTube, Flickr/PSLive