Vom Hockey bis zu den Kasinos
Brad Booth erzählt zu Beginn des Gesprächs, wie er bereits in seiner Kindheit über Sammel-Hockeykarten und private Spiele zum Poker fand und später illegale Kasinos in jungen Jahren besuchte. Für ihn war Poker eine natürliche Fortsetzung der Wettbewerbsfähigkeit, die er zuvor im Hockey auslebte. Auch wenn der Universitätsweg für ihn nicht funktionierte, führten ihn das konkurrenzgeprägte Umfeld und die Leidenschaft für das Spiel allmählich in die Welt der Cash Games.
Ein Wendepunkt war sein Aufenthalt im Norden Kanadas im Yukon, wo der Spitzname „Yukon Brad“ entstand. Dort baute er sich in regelmäßigen Untergrundspielen eine Bankroll auf und begann, über Poker als vollwertigen Berufsweg nachzudenken.
Kurz nach dem Start seiner Profikarriere erlebte er den Boom des Online Pokers. Brad gehörte zu den Spielern, die sehr frühzeitig die Vorteile der neuen Spiele und das enorme Wachstum des Pokers erkannten. Er begann mehr zu spielen und zog bald nach Las Vegas, was sich als ein natürlicher Schritt anfühlte – er wollte schlichtweg „im Zentrum des Poker-Universums“ sein.
Ein starker Teil des Podcasts sind die Erinnerungen an das Leben direkt in den Kasinos. Booth spricht offen darüber, wie er monatelang praktischerweise das Bellagio nicht verließ, täglich stundenlang spielte und zwischen den Sessions schlief. Dieser extreme Lebensstil ermöglichte ihm einen schnellen Zugang zu den größten Spielen, zog aber auch seinen Preis.
High Stakes Poker und der ikonische Bluff gegen Phil Ivey
Eines der Hauptthemen des Podcasts ist zweifellos die legendäre Hand aus High Stakes Poker, in der Brad Booth mit einem kompletten Bluff all-in ging. Mit der Kombination 4 s 2 s entschied er sich auf dem Flop 3 d 7 s 6 d zu einem massiven Bluff – ausgerechnet gegen Phil Ivey.
Booth analysiert detailliert sein Denken in dieser Situation – warum er glaubte, dass Ivey in diesem Moment nicht callen konnte, wie der psychologische Druck funktionierte und warum der Overbet damals etwas völlig Einzigartiges war. Im Nachhinein gibt er zu, dass es nicht nur um die Hand selbst ging, sondern auch um den Aufbau eines Images und „Werbung“ für künftige Spiele. Diese Situation gilt bis heute zu Recht als einer der ikonischsten Bluffs in der Geschichte des Fernseh-Pokers.
Absturz, persönliche Krise und das Leben im Wald
Das Gespräch meidet auch nicht dunklere Kapitel. Booth spricht offen über den Black Friday im Jahr 2011, den Verlust des Online-Bankrolls, entscheidende Fehlentscheidungen und den allmählichen Absturz, der bis zum kompletten Verschwinden aus der Öffentlichkeit führte. Einer der eindrucksvollsten Teile des Gesprächs beschreibt die Zeit, als Booth sich in die Wälder Oregons zurückzog, den Kontakt zur Außenwelt abbrach und mehrere Jahre abseits der Pokerszene lebte. Genau dort fand er tiefe Selbstreflexion, körperliche Arbeit und die Rückkehr zu den grundlegenden Werten.
Heute spielt Brad Booth wieder Poker – aber in einem völlig neuen Modus. Statt nach den höchsten Einsätzen zu jagen, konzentriert er sich auf niedrigere Limits, Freude am Spiel und mentale Ausgeglichenheit. Im Podcast betont er mehrmals, dass sein Ego beim Eintritt in das Kasino draußen bleibt und er Poker als Werkzeug sieht, nicht als Ziel.
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Quellen – YouTube, PokerNews, WSOP