Der Einfluss von CBS auf die Gewinne im Main Event
Laut verschiedener Quellen war der starke Druck des Fernsehsenders CBS der Grund für den Wechsel der Preisstruktur im Main Event. Das Fernsehen wollte, dass der Finaltisch für die Zuschauer dramatischer wird, was zu einer formellen Aufteilung des Preisgeldes unter den fünf besten Spielern führte. Die Struktur war genau festgelegt: Der Sieger erhielt 50 %, der Zweite 20 %, der Dritte 15 %, der Vierte 10 % und der Fünfte 5 % des Preisgeldes.
Diese Änderung war umstritten, da das „Winner-takes-all“-Format für andere Medien attraktiver war. Auch viele „Old School“-Spieler bevorzugten die frühere Form mit einem einzigen Gewinner. Andererseits soll Doyle Brunson, der die vorherigen zwei Main Events gewonnen hatte, ein großer Befürworter dieser Änderung gewesen sein.
Ein weiterer Grund für die Unterstützung durch einige Spieler war die steuerliche Aufmerksamkeit, die auf die Gewinner von Turnieren gelenkt wurde. Diese mussten Steuern auf den gesamten Betrag zahlen, selbst wenn während des Finales eine Abmachung über die Aufteilung des Gewinns unter den Spielern getroffen worden war.
Gary Berlands Aufstieg und Chip Reeses erstes Bracelet
Schon vor Start des Main Events zogen Side-Events die Aufmerksamkeit auf sich, in denen zukünftige Legenden dominierten. Gary „Bones“ Berland, ein talentierter junger Mann, der im Vorjahr um den Titel im Main Event gekämpft hatte und erst im Heads-up gegen Doyle Brunson gescheitert war, erlebte einen fantastischen Start in die Serie. Er gewann innerhalb von zwei Tagen zwei Bracelets (Razz und Seven-card Stud) und hätte fast Geschichte geschrieben, als er Zweiter im $1.000 Limit A-5 Draw Lowball wurde. Hätte er gewonnen, wäre er der erste Spieler mit drei Bracelets in einer Serie gewesen.
Sein erstes goldenes Bracelet gewann auch David „Chip“ Reese, den Doyle Brunson später als einen der beiden besten jungen Spieler der neuen Generation bezeichnete. Dies waren keine leeren Worte und es beweist die Tatsache, dass Brunson bei der Erstellung seines legendären Buches „Super System“ auch Reese ansprach, der einen Teil des Buches über die Strategie in der Variante Seven Card Stud verfasste.

Auch Lakewood Louie zog Aufmerksamkeit auf sich, da er das allererste Limit Draw High Turnier in der Geschichte der WSOP gewann. Louie schrieb sich mit einer einzigartigen Statistik in die Geschichte ein. Während seiner Karriere erzielte er nur vier bezahlte Platzierungen bei der WSOP, doch jedes Mal gewann er ein Bracelet.
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Turnier |
Teilnehmer |
Sieger |
Gewinn |
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Event #1: 10.000$ NL 2-7 Draw Lowball |
15 |
Billy Baxter |
90.000$ |
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Event #2: 1.000$ Limit Razz |
32 |
Gary Berland |
19.200$ |
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Event #3: 500$ Limit Seven-card stud |
57 |
Gary Berland |
17.100$ |
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Event #4: 5.000$ Limit Seven Card Stud |
23 |
Doyle Brunson |
68.000$ |
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Event #5: 1.000$ No Limit Hold'em |
71 |
Aubrey Day |
42.600$ |
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Event #6: 200$ Ladies' Limit Stud |
84 |
Terry King |
10.080$ |
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Event #7: 5.000$ Limit Draw High |
7 |
Lakewood Louie |
21.000$ |
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Event #8: 1.500$ NL Hold'em (Non-Pro) |
52 |
Hans Lund |
46.800$ |
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Event #9: 1.000$ Limit Stud Hi-Lo |
32 |
Chip Reese |
19.200$ |
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Event #10: 1.000$ Limit A-5 Draw Lowball |
32 |
Henry Young |
19.200$ |
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Event #11: 10.000$ NLH Main Event |
42 |
Bobby Baldwin |
210.000$ |
Der erfolgreiche Test mit weiblicher Beteiligung wurde fortgeführt
Nachdem das erste Frauenturnier 1977 mit 93 Teilnehmerinnen einen damaligen absoluten Rekord bei der Beteiligung an einem Event aufgestellt hatte, erlebte dieses spezielle Format 1978 eine erfolgreiche Fortsetzung. Obwohl die Organisatoren den Buy-in von 100$ auf 200$ verdoppelt hatten, blieb das Interesse außerordentlich hoch.
Mit insgesamt 84 Teilnehmerinnen erreichte das Turnier fast den Erfolg des Vorjahres und war im gesamten WSOP 1978 Kalender das Event mit der höchsten Teilnahme. Die Siegerin und Trägerin des goldenen Bracelts wurde Terry King, die später zu einem festen Bestandteil dieser Formate wurde und in den folgenden Jahren noch viermal bezahlte Plätze in Frauenturnieren erreichte.
Das dritte Jahr ununterbrochener Dominanz von Doyle Brunson
Obwohl Doyle Brunson den Titel im Main Event nicht verteidigen konnte, verließ er das Festival nicht mit leeren Händen, da er das Bracelet für den Sieg im $5.000 Limit Seven Card Stud Event mitnahm.
Für „Texas Dolly“ war es ein bemerkenswerter Eintrag in die Geschichte, da es das dritte Jahr in Folge war, in dem er mindestens einen Turniersieg bei der WSOP verbuchte. Diese respektable Serie begann mit seinen legendären Triumphen in den Main Events der Jahre 1976 und 1977, denen er stets einen weiteren Titel in den Side-Events hinzufügte.
Mit seinem fünften Titel näherte sich Brunson in den historischen Tabellen dem damaligen König des Jahrzehnts, Johnny Moss, bis auf einen einzigen Bracelet.

Das Main Event brachte ein Massaker an Legenden und neues Blut
Für das Main Event meldeten sich rekordverdächtige 42 Spieler an. Darunter Barbara Freer, die erste Frau im Main Event, sowie der bekannte Komiker Gabe Kaplan, späterer Moderator von High Stakes Poker.
Bereits der erste Tag des Turniers brachte eine große Überraschung. Die Aggression der jungen Spieler dezimierte die alte Garde. Alle ehemaligen Champions Doyle Brunson, Johnny Moss, Amarillo Slim, Sailor Roberts und Puggy Pearson sind bereits am ersten Tag ausgeschieden. Johnny Moss schmunzelte und sagte: „Ich habe drei Hände hintereinander verloren und ich bin schon so alt, dass ich das nicht mehr ertragen kann.“
Am Finaltisch mit sechs Spielern gab es die erste „Bubble“ in der Geschichte des Main Events. Der erste Pechvogel, der als Sechster ohne Preis ausschied, war Ken Smith, der im eleganten Frack mit Zylinder auftrat.
In das abschließende Heads-up schafften es der 28-jährige Bobby „The Owl“ Baldwin und der erfahrene texanische Veteran Crandell Addington. Für Addington war es bereits das zweite Heads-up (nach 1974), wobei er insgesamt sieben Mal am Finaltisch des Main Events gespielt hatte. Trotzdem war ihm das WSOP-Bracelet nicht vergönnt.

Die entscheidende Hand und der historische Triumph
DIe entscheidende Hand kam, als Baldwin Q d Q c hielt und Addington 9 d 9 c. Addington, der in diesem Moment etwa 1:7 hinten lag, ging vor dem Flop All-in, was Baldwin sofort callte.
Der Dealer legte Q s 9 h K s auf das Board und beide Spieler trafen ein Set. Addington hatte in diesem Moment nur noch minimalste Chancen zu gewinnen und benötigte lediglich die verbleibende Neun im Deck. Turn A s und River T d brachten jedoch kein Wunder.
Bobby Baldwin wurde zum jüngsten Gewinner des Main Events in der Geschichte (im Alter von 28 Jahren, 4 Monaten und 18 Tagen) und übertraf Doyle Brunsons vorherigen Rekord um 14 Jahre.
Eine sehr interessante Geschichte, die Baldwins Sieg einen menschlichen Aspekt verleiht, sind seine freundschaftlichen Wetten mit Doyle Brunson. Wie Baldwin später lachend erinnerte, schlug ihm Doyle 1976 eine Wette über 2.000$ vor, wer von ihnen länger im Main Event aushalten würde. Doyle gewann das Turnier und natürlich auch die Wette. 1977 gab ihm Doyle sogar eine Quote von 2:1, aber das Ergebnis war dasselbe. Doyle verteidigte den Titel und Baldwin verlor erneut Geld.
Bei der WSOP 1978 lehnte Baldwin die Wette ab und sagte, Doyle solle sich einen anderen „Sponsor“ suchen. Ironischerweise schied Doyle in diesem Jahr bereits am ersten Tag aus und Baldwin wurde Champion. Bobby „The Owl“ Baldwin setzte nach seinem Triumph nicht nur als Spieler fort, sondern wurde auch ein erfolgreicher Geschäftsmann und Präsident der Casinos Golden Nugget und Bellagio. Heute trägt der legendäre High-Stakes-Raum im Bellagio seinen Namen „Bobby’s Room“.
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Quellen: WSOP, Wikipedia, YouTube, Poker1