Rekorde und familiäre Triumphe bei Side Events
Schon vor dem Main Event zeigte das Festival seine wachsende Popularität. Das erste Event (500$ Limit Seven Card Stud) stellte gleich einen neuen Rekord auf. Mit 176 Spielern war es das erste Turnier in der WSOP-Geschichte, das die 100-Teilnehmer-Marke überschritt. Sieger wurde Bobby Schwing, der 52.800$ mit nach Hause nahm.
Einer der einzigartigsten Geschichten der Pokergeschichte ereignete sich während des dritten und vierten Turniers der Serie. In Event #3: 2.000$ Limit Draw High gewann Pat Callihan in einem Feld von nur 13 Spielern. Am nächsten Tag folgte seine Schwiegertochter Deb Callihan und holte den Titel in Event #4: 400$ Ladies Seven Card Stud, wodurch die Familie innerhalb von 48 Stunden gleich zwei goldene Bracelets gewann. Für beide sollten es die einzigen Siege bei der WSOP bleiben.

Ein weiteres Novum brachte Pete Christ, mit bürgerlichem Namen Panagiotis Christodoulou, der aus Athen stammte. Er gewann Event #5: 5.000$ Limit Seven Card Stud und war der erste Bracelet-Gewinner, der außerhalb der USA geboren wurde. Sein Weg zum Titel war umso bemerkenswerter, da er im abschließenden Heads-up den damals noch unbekannten, aber talentierten 26-jährigen New Yorker Stu Ungar besiegte.
Im Jahr 1980 hatten, bis auf ein Event, alle elf Gewinner neue Namen. Einzig Lakewood Louie fügte seiner Sammlung ein viertes Bracelet in Event #11: 1.000$ Limit Razz hinzu. In dieser Zeit verkörperte Louie Effizienz auf einem fast wundersamen Niveau: Bei der WSOP erreichte er bisher vier bezahlte Plätze und gewann jedes Mal. Nach 1980 sollte er aber nie wieder auf der Gewinnerposition landen.
Obwohl es 1980 zwölf verschiedene Gewinner gab, wurde der Titel „Most Valuable Player“ (MVP) der Serie an einen Mann verliehen, der kein einziges Turnier gewann. Johnny Hale zeigte erstaunliche Beständigkeit und erreichte fünf Finaltische in verschiedenen Disziplinen.
|
Turnier |
Entries |
Sieger |
Preisgeld |
|
Event #1: 500$ Limit Seven Card Stud |
176 |
Bobby Schwing |
52.800$ |
|
Event #2: 1.000$ No-Limit Hold'em |
138 |
Robert Bone |
69.000$ |
|
Event #3: 2.000$ Limit Draw High |
13 |
Pat Callihan |
15.600$ |
|
Event #4: 400$ Women's Seven-Card Stud |
62 |
Deby Callihan |
14.880$ |
|
Event #5: 5.000$ Limit Seven Card Stud |
30 |
Pete Christ |
90.000$ |
|
Event #6: 10.000$ NL 2-7 Draw Lowball |
19 |
Sarge Ferris |
150.000$ |
|
Event #7: 1.500$ No-Limit Hold'em |
126 |
Gene Fisher |
113.400$ |
|
Event #8: 1.000$ Limit A-5 Lowball Draw |
61 |
Jim Fugatti |
35.600$ |
|
Event #9: 600$ Mixed Doubles (NLH) |
41 |
Lynn Harvey A.J. Myers |
7.380$ jeder |
|
Event #10: 1.000$ Limit Seven Card Stud Hi-Lo |
51 |
Mickey Appleman |
30.600$ |
|
Event #11: 1.000$ Limit Razz |
56 |
Lakewood Louie |
33.600$ |
|
Event #12: 10.000$ Main Event (NLH) |
73 |
Stu Ungar |
365.000$ |
Main Event mit neuer Tradition
1980 ging das Main Event als Generationen-Duell in die Geschichte ein, wodurch das Gesicht von Poker für immer verändert wurde. Dank des „Fowler-Effekts“, der den Amateuren des Vorjahres Mut gab, meldeten sich rekordverdächtige 73 Teilnehmer für das 10.000$-Turnier an, was einem enormen Anstieg von 26% entsprach.
Dieses Jahr war auch aus medialer Sicht bahnbrechend. ESPN zeichnete erstmals den Finaltisch für eine einstündige TV-Spezialsendung auf, was letztlich zur Entstehung einer berühmten Tradition führte. Jack Binion legte mehr als 500.000$ in bar direkt auf den Tisch vor die Finalisten, um die Attraktivität für die Zuschauer zu erhöhen.

Der Finaltisch war voller Legenden. Hier saßen Johnny Moss, Jay Heimowitz, Doyle Brunson und der bekannte Schauspieler und Komiker Gabe Kaplan. Der eigentliche Held des Jahres 1980 war jedoch zweifellos Stu „The Kid“ Ungar.
Ungar war in den Glücksspielkreisen als exzellenter Gin Rummy-Spieler bekannt und lernte Poker quasi „on the fly“. Doyle Brunson erinnerte sich später, dass Stuey zu Beginn des Turniers kaum etwas über das Spiel wusste, sich aber unglaublich schnell einarbeitete.
Der erste große dramatische Moment ereignete sich noch vor dem Platzen der Bubble. In einem riesigen Pot trafen Ungar, Brunson, Kaplan und Moss auf dem Board A-A-K-3-8 aufeinander. Sowohl Ungar als auch Brunson hielten A-Q und teilten sich den Pot, was jedoch die Stacks von Kaplan und Moss erheblich schwächte. Gabe Kaplan wurde schließlich der „Bubble Boy“ und schied auf dem 6. Platz ohne Geld aus.
Interessant war auch die nächste Begegnung, bei der Doyle Brunson vier Asse gegen Johnny Moss traf. Er brachte ihn an den Rand der Eliminierung und kurz darauf erledigte Ungar den Rest. Nachdem Brunson Jay Heimowitz auf dem dritten Platz eliminiert hatte, erlebte die Welt ein spannendes Finale.
Das Wunderkind holt den Titel beim ersten Versuch
Ins abschließende Heads-up zogen zwei Spieler mit gegensätzlichen Erfahrungswerten ein: der zweifache Main Event-Champion Doyle Brunson und der unerschrockene Neuling Stu Ungar. Das Heads-up begann mit fast gleichwertigen Stacks, dauerte aber nur etwa 15 Minuten. Die Entscheidung brachte eine Hand, die zum Poker-Folklore wurde.
Brunson erhöhte vor dem Flop auf 10.000 mit A♥ 7♠ und Ungar callte mit 5♠ 4♠. Auf dem Flop A♦ 7♦ 2♣ traf Brunson zwei Paare und setzte noch einmal 10.000. Ungar callte erneut, und der Turn brachte die 3♥, welche ihm die Straße vervollständigte. Ungar übernahm das Kommando und setzte 30.000. Brunson war überzeugt, die beste Hand zu haben und ging All-in. Ungar callte sofort und sah, wie der River mit der 2♦ kam, die nichts änderte.

Mit 26 Jahren wurde Stu Ungar der jüngste Main Event-Champion der damaligen Geschichte und gewann rekordverdächtige 365.000$. Mit seinem aggressiven Stil und seiner genialen Intuition schockierte er die Profis und bewies, dass die Zukunft des Pokers der neuen Generation gehört.
Mehr aus der Geschichte der WSOP
Die Geschichte der WSOP: 1978 – Das Ende der „Winner-takes-all“-Ära
Die Geschichte der WSOP: 1977 – Das 10-2 Wunder wiederholt sich
Die Geschichte der WSOP: 1973 – Triumph von Puggy Pearson & Beginn des TV-Zeitalters
Die Geschichte der WSOP: 1972 – Umstrittener Sieg von Amarillo Slim
Die Geschichte der WSOP: 1971 – Die ersten Freezeout-Turniere
Die Geschichte der WSOP: 1970 - Der erste Weltmeister wurde durch eine Abstimmung gewählt
Quellen: WSOP, Wikipedia, PokerListings, w50p, Legacy