Vom Konvent zum Glücksspiel auf Flussdampfern
Carlotta Thompkins wurde am 21. April 1844 in Warsaw, Kentucky, in eine wohlhabende Familie geboren. Ihr Vater, ein Pferdezüchter und prominenter Spieler, hatte einen enormen Einfluss auf sie. Lottie verbrachte ihre frühen Jahre damit, mit ihm Spielhallen in New Orleans, Detroit und Europa zu bereisen. Ihr Vater lehrte sie die Geheimnisse des Gewinnen beim Kartenspiel und glaubte, dass das Überleben mehr als nur eine Südstaaten-Schönheit erforderte. Er führte sie in die Kunst des Glücksspiels auf dem Land und auf Flussdampfern ein. Gleichzeitig erhielt Lottie eine Ausbildung im episkopalen Konvent und wurde in gesellschaftlichen Umgangsformen geschult.
Lottie Denos Leben änderte sich dramatisch im Jahr 1861, als ihr Vater, der der Konföderierten Armee beigetreten war, im Kampf getötet wurde. Ihre Mutter schickte sie nach Detroit in der Hoffnung, dass sie einen wohlhabenden Mann heiraten würde, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Als das Geld ihrer Familie ausblieb, wandte sich Lottie dem Glücksspiel zu. Sie reiste entlang der Flüsse Ohio und Mississippi und verdiente ihren Lebensunterhalt durch Glücksspiel. Besonders im Faro-Spiel, einer damals beliebten Kartenvariante, war sie herausragend. Sie schickte ihrer Familie sogar Geld, verschwieg jedoch dessen Ursprung.
Eine Schlüsselfigur in ihrem frühen Leben war Mary Poindexter, ihre loyale Sklavin und Nanny, die angeblich sieben Fuß groß war (etwa 213 cm). Mary war eine beeindruckende Beschützerin auf ihren Reisen und stand Lottie am Spieltisch bei, beobachtete Betrüger. Einmal warf sie einen Soldaten, der Lottie des Betrugs bezichtigte, vom Deck eines Flussdampfers. Ein anderes Mal stürzte sie sich auf einen Streithahn, um ihre Herrin zu schützen, was sie mit einem Biss bezahlte und woraufhin ihr ein Finger amputiert werden musste.
Die Geburt der Legende und der Spitzname Lotta Dinero
Etwa 1865 zog Lottie nach San Antonio, Texas. Dort begann sie als Croupière im University Club zu arbeiten, der Frank Thurmond gehörte, einem Spieler aus Georgia, in den sie sich verliebte. Wegen ihrer Eleganz, der Art ihres Auftretens und der Regel, dass es an ihrem Tisch verboten war zu rauchen, trinken und zu fluchen, erhielt sie den Spitznamen „Engel von San Antonio“.
Ihr bekanntester Pseudonym entstand jedoch anderswo. Nachdem Frank Thurmond aus San Antonio geflohen war (angeblich nachdem er einen Mann während eines Kartenspiels mit einem Kampfmesser getötet hatte, das er am Rücken trug), folgte Lottie ihm. Gemeinsam zogen sie durch die Spielhallen des Südwestens, darunter Fort Concho (wo sie „Mystic Maud“ genannt wurde), Jacksboro und San Angelo, bis sie 1872 in Fort Griffin ankamen.
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Fort Griffin, als „The Toughest Town in Texas“ (die härteste Stadt in Texas) bekannt, war eine wilde Grenzsiedlung mit berüchtigten Salons. Lottie arbeitete hier im Bee Hive Saloon. Eines Abends, als sie jedes Spiel gegen jeden Gegner gewann, rief ein betrunkener Cowboy: „Mädchen, mit so viel Gewinn solltest du Lotta Dinero heißen“ (Dinero – das spanische Wort für viel Geld). Carlotta nahm es an und nach einer kleinen Anpassung wurde sie zu Lottie Deno.
Dieser Spitzname half ihr, ihre wahre Identität vor der frommen Familie in Kentucky zu verbergen, der sie vorgab, einen reichen Viehzüchter geheiratet zu haben, um das Geld zu erklären, das sie ihnen schickte.
Kaltblütige Natur
Lottie Deno war eine charmante Rothaarige mit strahlenden braunen Augen, die immer makellos gekleidet war und als kultivierte Südstaaten-Schönheit auftrat. Obwohl viele gewöhnliche Salonbesucher sie des Betruges verdächtigten, wurde sie nie dabei ertappt.
In Fort Griffin traf Lottie viele Legenden des Wilden Westens. Am bekanntesten ist ihre Begegnung mit Doc Holliday. Man sagt, dass sie ihn in mehreren Spielen besiegte, und es ist vermerkt, dass sie eines Abends über 3.000$ von ihm gewann.
Eine der dramatischsten Geschichten von Lottie aus Fort Griffin dreht sich um ihren Konflikt mit Big Nose Kate Elder, der Partnerin von Doc Holliday. Obwohl die genauen Details im Volksmund verborgen sind und einige Zitate übertrieben erscheinen, heißt es, Big Nose Kate habe Lottie beschuldigt, Doc für sich gewinnen zu wollen. Der Vorfall führte angeblich dazu, dass beide Frauen ihre Waffen zückten und Doc Holliday dazwischen springen musste, um eine Schießerei zu verhindern.
Lottie war für ihre stahlharte Gelassenheit bekannt. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ereignete sich während eines Faro-Spiels im Bee Hive Saloon, als am Nachbartisch eine Schießerei zwischen zwei Spielern, bekannt als „Monte Bill“ und „Smokey Joe“, ausbrach. Beide starben, aber während alle anderen flohen, blieb die rothaarige Lottie einfach sitzen und zählte ruhig ihre Chips. Dem Sheriff, der sich wunderte, warum sie nicht wegrannte, soll sie gesagt haben: „Sie waren noch nie eine verzweifelte Frau“. Der wahre Grund könnte gewesen sein, dass währenddessen das Geld vom Tisch verschwand und es hieß, es landete alles in ihrer Handtasche.

Von der Glücksspielkönigin zur respektierten Dame
Nach Jahren des Wanderns und Spielens zogen Lottie und Frank Thurmond aus Texas fort und siedelten 1877 nach New Mexico über. Sie ließen sich zunächst in Kingston nieder, wo sie im Hotel Victorio eine kleine Spielhalle betrieben. Später zogen sie nach Silver City, wo sie 1880 heirateten, aber auch hier erlebten sie einen Wendepunkt ihres Lebens. Frank zog aus Notwehr sein Messer und tötete zum zweiten Mal einen Mann. Nach diesem Vorfall beschlossen sie, mit dem Glücksspiel aufzuhören. Ein neues Zuhause fanden sie in Deming, New Mexico, wohin sie 1882 zogen und dort wurden sie respektierte Mitglieder der Gemeinschaft.
Frank Thurmond investierte in den Bergbau und stieg später zum Vizepräsidenten der Deming National Bank auf. Lottie engagierte sich als Charlotte Thurmond aktiv im gesellschaftlichen Leben. Sie half bei der Gründung der Episkopalkirche St. Luke und wurde Vizepräsidentin deren Vereinigungen. Obwohl sie das Kartenspielen aufgegeben hatte, erzählt die Legende, dass der Bau der ursprünglichen Kirche teilweise durch 40.000$ finanziert wurde, die Lottie in einem Kartenspiel gewonnen hatte.
Charlotte kam in den Zeitungen nur noch durch gesellschaftliche Engagements vor und erlangte den Respekt der Gemeinde in der Umgebung. In Deming wurde sie zu einem Pfeiler der Gemeinschaft, organisierte Wohltätigkeitsveranstaltungen und erhielt schließlich den Spitznamen „Tante Lottie“. Charlotte J. Thompkins Thurmond verstarb am 9. Februar 1934 in Deming. Sie erreichte das ehrwürdige Alter von 89 Jahren und wurde neben ihrem Mann Frank Thurmond beigesetzt, der 1908 verstorben war.
Die Geschichte von Lottie Deno gleicht einer Münze, die zwei vollkommen unterschiedliche, aber gleichermaßen wertvolle Seiten hat. Auf der einen Seite ist eine glänzende Goldmünze, die ihren Ruf als Pokerkönigin und furchtlose Spielerin des Wilden Westens repräsentiert, die alles für Dinero riskierte. Auf der anderen Seite ist eine wunderschöne Silbermünze, die ihr späteres Leben in Deming symbolisiert, wo sie als angesehene "Charlotte Thurmond" ihre Erfahrungen und Zeit in die Gemeinschaft und die Episkopalkirche investierte und bewies, dass auch die wildesten Spieler Respekt und Frieden finden können. Beide Seiten formten ihre gesamte und faszinierende Persönlichkeit.
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Quellen: Wikipedia, Legends of America, Buch Doc Holliday (Autor John Mayers), Medium, New Mexico Historic Women, Texas State Historical Association