Die Schöne und ihr Schicksalsspiel
Eleanore, mit bürgerlichem Namen Simone Jules, wurde wahrscheinlich um 1829 in New Orleans geboren. Doch als sie um 1849 in den Wilden Westen kam, nahm sie einen neuen Namen an und gab ihre Herkunft mit Frankreich an. Damals, etwa 20 Jahre alt, verkörperte sie eine schöne, geheimnisvolle und enorm intelligente Dame. Obwohl sie im Laufe der Zeit eine große Bekanntheit erreichte, ist über ihre Jugend praktisch nichts bekannt.
Die ersten Erwähnungen von Eleanore Dumont beginnen im berühmten Hotel und Saloon Bella Union, wo sie als Croupier arbeitete. Ihre Spezialität war das Spiel vingt-et-un (übersetzt einundzwanzig), der Vorgänger des heutigen Blackjack. Männer kamen schon allein, um sie Karten austeilen zu sehen. Sie war nicht nur anmutig, sondern auch unglaublich ruhig und selbstsicher. Sie bewahrte in den angespanntesten Situationen kühlen Kopf, was später zu Vorwürfen des Betrugs führte. Obwohl nichts je bestätigt wurde, wurde sie aus dem Bella Union entlassen.
Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich jedoch um eine falsche Anschuldigung eines unzufriedenen Gastes, der ihre Fähigkeiten unterschätzte und wütend darüber war, von einer Frau geschlagen zu werden. Außerhalb von Bella Union hatte Eleanore nämlich lebenslang den Ruf einer fairen Spielerin. Diese Ungerechtigkeit störte sie jedoch nicht. Zu jener Zeit hatte sie bereits ein ansehnliches Vermögen angespart. Eleanore wusste, dass sie dank ihres Charmes und ihres Verstandes ihr eigenes Imperium aufbauen konnte. So zog sie in die Goldgräberstadt Nevada City, wo sie ihren eigenen Salon namens „Vingt-et-un“ eröffnete.

Die Zeit des größten Erfolgs
Ihr Salon war eine absolute Rarität. In einer Stadt voller rauer Männer, Schweiß und Staub schuf sie eine Oase der Eleganz. Mit Gaslampen, Samtvorhängen und teuren Teppichen lockte sie Männer nicht nur zum Spielen, sondern auch wegen der vornehmen Atmosphäre, wo sie grobes Benehmen vor der Tür lassen mussten. Dumont setzte einen strengen Dresscode durch (Jacke, Krawatte und Hut) und verbot Fluchen, Spucken und natürlich Schlägereien.
Die Spieler liebten den Salon. Nicht nur wegen des luxuriösen Ambientes oder dem kostenlosen Glas Champagner bei der Ankunft, sondern vor allem wegen der Möglichkeit, gegen die schöne und geheimnisvolle Madame Dumont zu spielen. Eleanore war charmant und bezaubernd. Sie konnte mit den Spielern flirten und gleichzeitig stets Distanz wahren. Männer konnten ihrem Charme nicht widerstehen, was durch das Sprichwort aus jener Zeit dokumentiert wird: „Es ist ein größeres Vergnügen, gegen Madame zu spielen und zu verlieren, als in jedem anderen Spiel zu gewinnen.“ Eleanore wickelte sie um den Finger und nahm ihnen mit einem Lächeln das Geld ab, während ihre sanfte Stimme sie beruhigte.
Ihr Kapital stieg und bald eröffnete sie mit ihrem Geschäftspartner Dave Tobin ein zweites Unternehmen, Dumont's Palace, wo beliebte Spiele wie Faro, Poker, Roulette oder Chuck-a-Luck gespielt wurden. Auch das zweite Unternehmen florierte, doch die Goldvorräte in Nevada City schwanden, und mit den Minenarbeitern verließ schließlich auch Eleanore die Stadt.
Ein Traum, der zum Albtraum wurde
Zu jener Zeit hatte Dumont genug Geld, um sich ein ruhigeres Leben zu leisten. Ihr Traum von einem zufriedenen und wohlhabenden Leben zerbrach jedoch, als sie sich verliebte. Sie zog nach Carson City, Nevada, wo sie eine Ranch kaufte. Dort traf sie einen eleganten und kultivierten Mann namens Jack McKnight. Er gab vor, ein Viehhändler zu sein und bezauberte sie so sehr, dass sie ihm ohne Zögern die Verwaltung ihrer Ranch überließ. Sie selbst wusste ja nichts über Landwirtschaft und Tiere. Jack jedoch war nichts anderes als ein Betrüger. Bereits einen Monat nach ihrem Kennenlernen floh er mit all ihrem Geld, verkaufte ihre Ranch und ließ sie mit allen Schulden zurück.

Eleanore war am Boden zerstört, aber sie gab nicht auf. Man sagt, sie spürte ihn auf, fand ihn und zögerte nicht, ihre doppelläufige Flinte gegen ihn einzusetzen. Sie wurde nie des Mordes angeklagt, aber viele sagten, es fehle nur an Beweisen. Angeblich gestand sie am Ende ihres Lebens, dass die Rache süß war und dass sie McKnight erschossen hatte, aber die ganze Wahrheit werden wir nie erfahren.
Harte Lektionen des Wilden Westens
Ohne Geld war Eleanore gezwungen, in die Bergbaustädte zurückzukehren und sich erneut dem Glücksspiel zu widmen. In den folgenden zwei Jahrzehnten reiste sie von Stadt zu Stadt und versuchte, ihr Vermögen durch Karten und ihren Charme wieder aufzubauen. Die Zeit ist jedoch unerbittlich für jeden, und während ihre Schönheit langsam verblasste, wurde der dunkle Flaum über ihrer Oberlippe deutlicher. Dies brachte ihr den wenig schmeichelhaften Spitznamen Madame Mustache ein.
Die Schönheit, die sie in ihrer Jugend beschützt und ihr Türen geöffnet hatte, war nicht mehr ihr Verbündeter. Männer, die einst vor ihr den Hut zogen, hatten nun kein Problem mehr, in ihrer Gegenwart zu fluchen und obszöne Witze zu reißen. Eleanore nahm durch ihre schlechte Erfahrung mit McKnight und den nachlassenden Einfluss auf das andere Geschlecht die Härten des Wilden Westens an. Sie tauschte Champagner gegen Whisky, ihre Sprache passte sich der Umgebung an und sie begann ständig eine Waffe zu tragen.
Trotzdem genoss ihr Name immer noch Popularität. Sie konnte Massen anziehen und die Legenden über sie wuchsen. Man sagte, dass sie einmal nach einer erfolgreichen Nacht in den Glücksspielen von zwei bewaffneten Räubern angehalten wurde. Anstelle des Geldes zog sie eine Waffe unter ihrem Kleid hervor, schoss einen Räuber nieder und der andere floh vor Angst.
In einer anderen Geschichte heißt es, dass sie im Hafen von Fort Benton mit zwei Pistolen in den Händen ein ankommendes Dampfschiff stoppte, von dem sie wusste, dass es Pocken an Bord hatte. Sie warnte den Kapitän des Schiffes, dass sie ihn erschießen würde, wenn er anlegte. Es versteht sich von selbst, dass der Kapitän das Schiff schnell umdrehte.
Ihre härtere Natur machte auch vor den Karten nicht halt. Man sagt, dass sie einmal während eines Spiels in Colorado City einen Betrüger persönlich auspeitschte. Ein anderes Mal ließ sie einen Kunden hinauswerfen, nur weil er behauptete, sie sei keine Französin. Ihre Natur wurde so wild wie das Land, durch das sie zog.

Das traurige Ende einer Legende
Am Ende ihres Lebens ließ sie sich in Bodie, Kalifornien, nieder. Obwohl sie nicht mehr so berühmt war wie in ihrer Jugend, schrieben die örtlichen Zeitungen, sie sähe „genauso jung aus wie zuvor“. Ihr Einfluss auf Männer war jedoch längst nicht mehr derselbe wie früher und nach etwa einem Jahr ging ihr das Geld aus.
In der verhängnisvollen Nacht lieh sie sich 300 Dollar zum Spielen von einem Freund. Das Glück war ihr jedoch nicht hold und innerhalb weniger Stunden verlor sie alles. Leise, ohne ein Wort, verließ sie den Salon. Ihr Körper wurde am nächsten Morgen (8. September 1879) etwa eine Meile außerhalb der Stadt gefunden. Sie hatte Wein mit Morphium getrunken. Sie hinterließ nur einen kurzen Zettel, auf dem stand: „Ich habe keine Lust mehr zu leben.“ Zeugen berichteten, dass sie im Gras lag, den Kopf auf einen Stein gebettet, als würde sie schlafen.
Ihr Tod erschütterte den gesamten Wilden Westen. Die örtlichen Glücksspieler, dieselben, denen sie einst mit einem Lächeln das Geld nahm, sammelten für ihre Beerdigung. Madame Mustache wurde zwar im Bereich des Friedhofs beigesetzt, der für Ausgestoßene und Sündiger reserviert war, aber es war das größte Begräbnis, das Bodie je erlebt hatte. Auch Zeitungen im ganzen Land berichteten mit Respekt und Anerkennung über Dumonts Tod und würdigten eine Frau, von der man sagte, sie habe „das ehrlichste Leben gelebt, das möglich war“. Ihr Grab ist heute unbekannt und unmarkiert, doch ihre Legende wird ewig leben.
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Quelle: Wikipedia, Legends of America, Find a Grave