Legenden Poker Hall of Fame XV: Walter Clyde "Puggy" Pearson

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Spitzname dank gebrochener Nase
 

Walter Clyde Pearson wurde am 29. Januar 1929 in Adairville, einem kleinen Städtchen in Kentucky, geboren, wo seine Familie von dem lebte, was die Erde hergab. Er war eines von neun Kindern einer armen Bauernfamilie. Mit zehn Jahren verließ er die Schule – nicht aus fehlendem Interesse, sondern weil er arbeiten musste, um die Familie zu unterstützen. 

Bei einer dieser Arbeiten zog er sich eine Verletzung zu, die ihn sein Leben lang prägte. Beim Bau einer Kirche versuchte er, die vorbeigehenden Mädchen zu beeindrucken. Er lief auf den Händen und fiel dabei aufs Gesicht. Seine zertrümmerte und flache Nase brachte ihm den tragikomischen Spitznamen „Puggy“ ein, eine Anspielung auf die flachen Nasen von Mopsen.

Mit 16 Jahren floh Puggy von zu Hause und trat der Marine bei, wo er schließlich drei Dienstzeiten absolvierte. Die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs verpasste er knapp, doch die Marine veränderte sein Leben dennoch. Auf den langen und monotonen Seereisen fand er die Gelegenheit, mit Glücksspielen unter den Soldaten Geld zu verdienen. Er lernte Karten- und Würfelspiele und verbesserte sein Talent im Billard. 

Als er Anfang der 50er Jahre die Marine verließ, war er um Tausende von Dollar reicher und hatte eine Leidenschaft für Glücksspiel entwickelt – klassische Arbeit lehnte er fortan ab.


Unterwegs
 

Nach Jahren auf See zog Puggy los, um das Land zu bereisen. Er wurde ein Road Gambler – ein Nomade, der in einem Wohnmobil mit der legendären Aufschrift unterwegs war: „I’ll play any man from any land, any game he can name for any amount he can count, provided I like it.

Puggy spielte alles: Poker, Gin, Billard, Würfel. Sein Stil? Aggressiv, frech, kompromisslos. Er hatte ein feines Gespür für seine Gegner, aber auch für seine eigenen Fähigkeiten, und sobald er spürte, dass er im Vorteil war, spielte er hart auf den Sieg. Diese Fähigkeit machte ihn zu einem der größten Spieler seiner Zeit, zusammen mit Johnny Moss und Doyle Brunson.


WSOP-Titel und Rekorde
 

Puggy debütierte bei der WSOP im Jahr 1970, gleich im allerersten Jahr des Events. Sein erstes Bracelet gewann er im folgenden Jahr, indem er das $1K Limit 7 Card Stud für sich entschied. Im darauffolgenden Jahr stand er kurz davor, sein erstes Main Event zu gewinnen, aber in einem Turnier, das die Pokerwelt für immer veränderte, landete er umstritten auf dem 2. Platz. Pearson und Doyle Brunson wollten die mediale Aufmerksamkeit meiden und einigten sich darauf, Amarillo Slim vom dritten Platz gewinnen zu lassen, der bis dahin als Shortstack galt. 

Das Jahr 1973 war ein Poker-Boom, und im Zentrum stand Puggy Pearson. Er gewann drei Turniere bei einer einzigen WSOP, was umso bemerkenswerter ist, wenn man bedenkt, dass es 1973 nur sieben Turniere im Programm gab. Titel und Gewinne, die sich Puggy Pearson im Jahr 1973 sicherte:

  • $4.000 Seven Card Stud – erstes Turnier, Gewinn $28.000

  • $1.000 No Limit Hold’em – Gewinn $17.000

  • $10.000 Main Event: – Gewinn $130.000 (heute ungefähr ~ $900.000)

Insgesamt erzielte Pearson „nur“ vier WSOP-Titel, da er in den folgenden Jahren mehrmals knapp scheiterte. Trotzdem sind diese Ergebnisse nur die Spitze des Eisbergs. Puggys wahres Imperium war im Cash Game, wo er um Zehntausende Dollar spielte – genaue Zahlen seiner Gewinne sind nicht bekannt.


Showman, der Hellmuth inspirierte
 

Puggy war nicht nur ein exzellenter Spieler, sondern auch ein Poker-Showman, der die Ära von Phil Hellmuth um Jahrzehnte vorausnahm. Bei mehreren WSOP Main Events erschien er in Kostümen – als Cowboy, Wikinger oder sogar Dschingis Khan. Bei seinem letzten Main Event im Jahr 2005, im Alter von 76 Jahren, trat er auf die Bühne und sang das Lied „Roving Gambler“ – die Hymne eines Road Gamblers, die sein Leben perfekt charakterisierte. Dieser Moment war der Höhepunkt seiner Show-Karriere.

Die Verbindung zwischen Puggy Pearson und der WSOP hielt viele Jahre lang. Er spielte jedes WSOP Main Event von der Premiere 1970 bis 2005 – 36 Jahre in Folge! Im Jahr 2006 wollte er diese Tradition fortsetzen, doch das Schicksal entschied anders. Walter Clyde Pearson starb am 12. April 2006 an Herzproblemen und verpasste knapp die 37. Ausgabe, die zweieinhalb Monate später stattfand.


Einzug in die Hall of Fame und ewiges Vermächtnis
 

1987 wurde er verdientermaßen in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Puggy Pearson war seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus und erreichte große Karriereerfolge. Seine vier WSOP-Bracelets, sein aggressiver Stil und sein Einfluss auf das Turnierpoker (es wird gemunkelt, dass Pearson das Format des Knockout-Turniers vorgeschlagen hat, das bis heute besteht) prädestinierten ihn zur Legende.  

Puggy Pearson war nicht nur ein Champion – er war die Seele des Pokers: witzig, frech, unbezwingbar. Sein Wohnmobil hat angehalten, aber die Botschaft des „Roving Gambler“ lebt weiter.

 

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Quellen: Wikipedia, WSOP, Pokerstarsnews, Card Player