Texanischer Riese: Vom armen Jungen zum Road Gambler
Jack Straus wurde am 16. Juni 1930 in dem kleinen Ort Travis in Texas geboren, im Herzen einer Region, in der Glücksspiel zur örtlichen Kultur gehörte und wo Jungen wie er eher Karten spielen lernten als das Alphabet. Sein Vater brachte ihm Poker bei, als er gerade mal sechs Jahre alt war. „In Texas wächst man mit Poker auf, es ist ein texanisches Spiel,“ sagte er später. Schon als Teenager erreichte er eine Größe von zwei Metern, was ihm zusammen mit seinen lockigen Haaren den Spitznamen „Treetop“ (Baumkrone) einbrachte.
In der High School spielte er Basketball, was ihm den Weg zur Texas A&M University ebnete. Nach der Uni kehrte Straus als Lehrer zurück nach Hause. Diese Karriere verfolgte er jedoch nur kurz, da der Ruf des Glücksspiels lauter war. In den 50er Jahren wurde er ein Road Gambler, der durch den Süden der USA reiste. Er spielte nicht nur Poker, sondern auch Billard und Würfelspiele. Er wettete auch auf Golf und andere Sportarten und als Las Vegas begann, sich zum Zentrum der Glücksspielwelt zu entwickeln, konnte er nicht fehlen.
Straus' Leben bestand nicht nur aus Erfolgen, sondern war eher eine Achterbahnfahrt aus Gewinnen und Verlusten. In einer Geschichte aus dem Jahr 1970 war er nach einer schlechten Serie runter auf seine letzten 40$. Doch Treetop gab selbst dann nicht auf. Er setzte das Geld am Blackjack-Tisch, riskierte alles in einem Spiel und gewann. So machte er weiter, bis aus 40$ wieder 500$ wurden. In diesem Moment wechselte er zum Poker, wo er das Geld auf 4.000$ aufstockte. Aber auch dann hörte er nicht auf und kehrte zu Blackjack zurück, wo er dann 10.000$ erzielte. Schließlich setzte er die gesamte Summe auf einen Sieg der Kansas City Chiefs im Super Bowl, was ihm das Geld nochmals verdoppelte. Eine perfekte Demonstration seines unerschütterlichen Willens und seiner Fähigkeit, das Schicksal zu wenden.
Er lebte und spielte nach dem Motto „Alles oder Nichts.“ Auch Doyle Brunson erinnerte sich gerne an ihn und teilte in seinem Buch „Poker's Godfather“ eine Geschichte, die seine Furchtlosigkeit unterstreicht. Auf einem Flug nach Curaçao in der Karibik verteilte er Brownies mit Marihuana an Bord. Verständlicherweise führte dies bei der Rückreise zu einer gründlichen Kontrolle für die gesamte Crew. Jack Straus war ein Mann, der intensiv lebte. Er war nicht nur ein Gambler. Er war Abenteurer, Großwildjäger (er erlegte einmal einen Löwen in Afrika und trug die Pfote als Talisman), aber auch ein gewaltiger Witzbold mit einer Schlagfertigkeit, die am Tisch überraschte.

Frühe WSOP-Jahre
Straus' WSOP-Debüt wird normalerweise mit dem Jahr 1971 in Verbindung gebracht, dem ersten Jahr mit Turnierformat und dem zweiten Jahr insgesamt. In Doyle Brunsons Buch wird jedoch erwähnt, dass Straus bereits 1970 beim ersten Event spielte, allerdings nicht den Final Table unter den besten Sieben erreichte.
1971 war er kurz davor, Geschichte zu schreiben, landete aber im Main Event schließlich auf dem 2. Platz hinter Johnny Moss. 1973 erreichte er den 3. Platz im Main Event und gewann kurz zuvor sein erstes Bracelet im 3.000$ No Limit 2-7 Draw Lowball. Trotz vieler Topplatzierungen war Straus nicht der ideale Turnierspieler. Sein Reich waren die Cash Games, wo er seinen ultra-aggressiven Stil und seine Bereitschaft, alles zu riskieren, am besten ausspielen konnte.
Das zeigte sich auch in einem legendären Cash Game, bei dem er erhöhte, obwohl er 72o – die schlechteste Start-Hand im No Limit Hold'em – hatte. Der Flop brachte 7-3-3, was ihm relativ schwache zwei Paare (Siebener und Dreier) gab. Straus erhöhte aggressiv und sein Gegner, offensichtlich mit einem höheren Paar, erhöhte erneut. Jack callte ohne zu zögern. Am Turn kam eine 2, die für ihn wenig änderte. Straus setzte erneut eine riesige Summe und der Gegner überlegte. In diesem Moment bot Jack ihm an: „Wähle eine meiner Karten aus, und ich zeige sie dir für 25$.“ Der Gegner zahlte und Jack zeigte ihm die 2.
Sein Gegner nahm an, dass Jack ihm dieses Angebot machte, weil er 2-2 hielt und ein Full House hatte. Er foldete sofort. Dieser geniale Bluff, bei dem Psychologie und Schauspiel die Realität verschleierte, wurde Teil des Pokerfolklors und sogar im Film „High Roller: The Stu Ungar Story“ gezeigt, obwohl die Drehbuchautoren ihn einem anderen Spieler zuschrieben.

WSOP 1982: Das größte Comeback aller Zeiten
Jack Straus war definitiv eine auffällige Persönlichkeit, aber seine Berühmtheit explodierte erst 1982, ein Jahr, das Poker für immer veränderte. Die WSOP 1982 brachte 14 Events mit sich und im Main Event gab es erstmals in der Geschichte eine dreistellige Teilnehmerzahl (104 Spieler) und einen siebenstelligen Preispool.
Treetop spielte sein gewohnt aggressives Spiel, doch bereits am zweiten Tag schien es vorbei zu sein. In einem Moment schob er alle seine Chips in die Mitte, aber sein Gegner hatte die bessere Hand. Straus stand bereits auf und wollte gehen, als jemand seinen letzten 500$ Chip unter der Serviette bemerkte. Da er das All-in nicht angekündigt hatte, durfte er gemäß den Regeln weiterspielen. In diesem Moment hatte Jack nur noch eine Möglichkeit – All-in gehen. Für ihn war das jedoch bedeutungslos, da er stets bereit war, alles zu riskieren.
Die anderen erwarteten Straus' schnellen Abgang, doch er startete ein spektakuläres Comeback. Bis zum Ende des zweiten Tages erhöhte er ständig seinen Stack und am dritten Tag arbeitete er sich sogar zum Chipleader vor. Straus' Aggression und sein großer Stack wurden zur tödlichen Waffe. Er eliminierte nacheinander all seine Gegner am Final Table, einschließlich Dewey Tomko im Heads-up. So entstand die legendäre Phrase „a chip and a chair“. Als Reaktion auf Straus' unglaublichen Sieg und seinen Kommentar, dass alles, was ein Spieler braucht, ein Chip und ein Stuhl ist.
Tod am Tisch und ewiges Vermächtnis
Straus war mit Herz und Seele Gambler bis zum letzten Moment. Am 17. August 1988 saß der 58-jährige Treetop im Bicycle Casino in Los Angeles, wo er High Stakes spielte. Er starb direkt am Tisch aufgrund eines Aortenaneurysmas. Zwei Monate später wurde er in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Damit gesellte er sich zu Tom Abdo und Wild Bill Hickok, die ebenfalls beim Pokern starben und in die Ruhmeshalle aufgenommen wurden.
Straus' zwei WSOP-Siege, einschließlich des Main Events 1982, qualifizierten ihn als Legende. Sein Vermächtnis ist die Phrase, die unzähligen Spielern in Shortstack-Positionen Hoffnung gab. Seine Geschichte ist nicht nur über einen Sieg, sondern über die Rückkehr von den Toten.
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Quellen: WSOP, Wikipedia, PokerListings, CardPlayer, PokerNews